Probleme bei Neigetechnikzügen und Strecken

Streckenausbau und Fahrzeuge

Die Anschaffung von Zügen mit aktiver Neigetechnik kostet etwa 10% mehr als vergleichbare Züge ohne Neigetechnik. Dazu kommt, dass für den notwendigen Streckenausbaus etwa 300 000 Euro pro Kilometer kalkuliert werden müssen. Dieser Wert kann allerdings sehr schwanken, weil er auch vom Zustand der Strecke abhängt. Das ist aber trotzdem wesentlich günstiger als eine Neubaustrecke, die sich auf mehr als 10 Mio. Euro/km belaufen kann.

Beim Streckenausbau fallen die meisten Kosten durch die Erhöhung der Geschwindigkeit an. Das betrifft Änderungen am Oberbau für Geschwindigkeit über 120 km/h, nämlich mindestens S49-Schienenprofile und keine Stahlschwellen. Bei der Signaltechnik sind der Vorsignalabstand für 160 km/h auf 1000m zu erhöhen, sowie die Einschaltkontakte der Bahnübergänge zu verlegen. Zusätzlich muss das GNT-System installiert werden.

Instandhaltung

Durch die höheren Geschwindigkeiten beim bogenschnellen Fahren erhöht sich außerdem die Belastung der Gleise, die Neigetechnik selber belastet die Gleise kaum stärker. Um die Gleiskräfte trotzdem gering zu halten, haben Neigetechnikzüge möglichst geringe Achslasten. Trotzdem stellen die großen Geschwindigkeiten hohe Anforderungen an die Gleislage und erfordern einen erhöhten Wartungsaufwand.

Auch an den Fahrzeugen steigen die Wartungskosten durch den Einsatz der Neigetechnik an. Zum einen durch den offensichtlichen Mehraufwand für die Wartung der komplexen Neigemechanik, -Elektrik und -Hydaulik, aber auch bei anderen Komponenten der Drehgestelle, die stärker belastet werden.

Prinzipielle Nachteile

Um nicht über das Lichtraumprofil hinauszuragen müssen Neigetechnikzüge im Dachbereich schmaler gebaut werden als konventionelle. Dadurch verringert sich die Breite des Innenraumes dort um ca. 10 cm. Im Bereich der Armlehnen, der für den Komfort entscheidend ist, kommt es allerdings kaum zu Einschränkungen.

Einige Menschen finden das Fahren in Neigetechnikzügen unangenehm, weil ihr Magen das unvermeidbare auf und ab durch die Neigung nicht verträgt. Solchen Menschen wird geraten sich nicht auf Fensterplätze zu setzen, weil dort natürlich der größte Höhenunterschied beim Kippen des Wagenkastens entsteht. Ein Fensterplatz ist auch deshalb zu meiden, weil einem dadurch der sich verändernde Horizont bewusst wird, der bei einigen Menschen die "Seekrankheit" auslösen kann. Die meisten Fahrgäste haben aber keinerlei Probleme in Neigetechnikzügen.

Hinzuzufügen ist noch, dass der komplexe Vorgang des Neigens immer noch technische Probleme verursacht. Dies wirft sehr oft ein schlechtes Licht auf Neigetechnikzüge, obwohl es inzwischen viele zuverlässig verkehrende Linien gibt.